Geflügelzuchtverein Hildesheim und Umgebung e. V. gegründet 1869
 




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Chronik

Die HILDESIA-SCHAU - im Wandel der Zeiten

Ein Blick in die Chronik des Hildesheimer Geflügelzuchtvereins bis 1958
Im Jahre 1953 konnte die Deutsche Rassegeflügelzucht auf ihr l00 jähriges Bestehen zurückblicken. Der erste Hühnerologische Verein wurde am 18. Oktober. 1852 mit 18 Mitgliedern von dem Kaufmann Robert Oettel in Görlitz gegründet. Es war der erste Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, auf wissenschaftlicher Grundlage Züchtungsmethoden herauszuarbeiten, zur Akklimatisierung von in- und ausländischem Geflügel beizutragen und dessen Leistung zu steigern. Im Jahre 1854, bei der ersten Geflügelausstellung, konnte Robert Oettel seine Erfolge erstmalig in der Öffentlichkeit zeigen. Es ist das Verdienst Robert Oettels, im In- und Ausland zur Hebung der Geflügelzucht und zur weiteren Verbreitung nützlicher Geflügelrassen beigetragen zu haben. Der im Jahre 1881 in Elberfeld gegründete Club deutsch-österreich-ungarischer Rassegeflügelzüchter setzte das Erbe Robert Oettels fort.
Auch im Raum Niedersachsen fanden sich am Geflügel interessierte Männer, die den Wert der Rassegeflügelzucht erkannten und ihre ganze Tatkraft in den Dienst der guten Sache stellten. Es darf hier der Name des Herrn Kommerzienrats Hugo du Roi, Braunschweig, Präsident des BDRG von 1881 bis 1911, nicht unerwähnt bleiben. Sein Grundsatz war: " Es kennt nur der eine Rasse, der diese selbst gezüchtet hat."
Im Hildesheimer Gebiet waren es der Literat C. J. Busch und einige interessierte Züchter, die im Jahre 1869 die Gründungsversammlung, welche am 20. März 1870 in der Gastwirtschaft Tölke in der Osterstraße 251 (jetzt Nr.22) stattgefunden hat, vorbereiteten. Der Verein wurde "Verein für Geflügel- und Singvogelzucht" getauft. Zum Ersten Vorsitzer wählte die nächste Versammlung am 3. April 1870 den Schuhmachermeister Ehrbar, Marktstraße 76 (jetzt Nr.19). Ehrbar war Kanarienvogelzüchter und versuchte die Hildesheimer Roller herauszuzüchten. Mit einer Pflockflöte versuchte er, den Vögeln die Tonart einzustudieren. Ob es gelungen ist, darüber schweigt der Chronist. Aber auch für die Geflügelzucht wird viel getan. Ein Protokoll sagt hierüber aus: "Es wurde konstatiert, daß die Geflügelzucht in unserer Gegend noch weit zurück sei, hierzulande nicht für den nötigen Blutwechsel gesorgt würde und daß durch Kreuzung unseres Landhuhnes mit anerkannt guten Arten sicher ergiebige Resultate erzielt würden." Die erste Hildesheimer Geflügelschau war eine reine Mitgliederschau mit 53 Nummern. Sie fand vom 21. bis 24. Juni 1871 statt. Ein Überschuss von 60 Talern wurde zur Käfigbeschaffung verwendet. Die Chronik sagt über den Veranstaltungsort nichts. Das ganze Vereinsgeschehen wird durch den damaligen Deutsch-Französischen Krieg beeinflusst. Gleich nach diesem Kriege wählte die Versammlung am 3. Januar 1872 den San.-Rat Dr. med. Lax, Hildesheim, Osterstraße, zum neuen 1. Vorsitzer. Er ist es, der dem jungen Verein Auftrieb gibt. Auf Anregung von Dr. Lax schlossen sich die in der Provinz Hannover entstandenen Geflügelzuchtvereine zum Zentralverband für Geflügelzucht zusammen. Hieraus ersehen wir, daß der Hildesheimer Geflügelzuchtverein schon in seinen Anfängen führend gewesen ist. Am 16. Januar 1881 führte Dr. Lax die Hofkontrolle ein und legte Stammrollen für einige Zuchten an, Jeweils in der nächsten Februar-Versammlung legte man die Rassen fest, die im kommenden Jahr intensiv gezüchtet werden sollten. Am 1. Januar 1899 erschien sogar ein Vereinsorgan, "Der Geflügelhof". Herausgeber war die Landwirtschaftskammer Hannover. 1901 gelang es Dr. Lax neben anderen Rassen auch einen Stamm Rhodeländer nach Hildesheim einzuführen. Spätere Schauen beweisen, dass gerade das Rodeländerhuhn im Hildesheimer Raum mit großem Erfolg gezüchtet wurde. Leider sind die Unterlagen für die ersten Hildesheimer Geflügelschauen verlorengegangen. Die Ausstellungen fanden früher immer im Spätfrühling anlässlich des Wollmarktes statt. Im Herbst hatte man zusätzlich den Geflügel- und Singvogelmarkt. Alle 3 Jahre hatte der Verein die Zentralvereins- Ausstellung auszurichten. Aus Überlieferungen wissen wir, dass 1883 eine Beihilfe von 100 Goldmark zu dieser Schau vom Zentralverband beigesteuert wurde. Mit den Nachbarvereinen hielten die Hildesheimer gute Verbindung. So wurde die gute Beschickung der Hildesheimer und Hamelner Züchter zur Junggeflügelschau Hannover lobend anerkannt (1882).
Eine Glanzleistung für die damalige Zeit war die Abhaltung der 12. Hildesheimer Geflügelschau vom 5.-7. Juni 1886 im Restaurant "Georgenpark" am Dammtor. Es standen dort: 378 Hühner, 84 Zwerge, 27 Enten, 5 Gänse, 2 Fasane, 35 Kanarienvögel und 120 Exoten. Hildesheimer Geschäfte stellten dazu Geräte für die Geflügelzucht aus. Eine sehr enge Zusammenarbeit mit, der Firma Sartorius, Göttingen, ermöglichte es, dass die ersten Brutmaschinen mit schlüpfenden Küken auf den Hildesheimer Schauen gezeigt wurde. Am 26. Juli 1886 wurden auf der Versammlung des Zentralverbandes in leer die Hauptvereine für Geflügelzucht in den Regierungsbezirken gegründet. Zum Hauptverein Hildesheim gehörten Hildesheim, Alfeld, Duderstadt und Goslar. Am 19. Mai 1888 führte Hildesheim mit 101 Mitgliedern, der gesamte Hauptverein zählte am 28. Dezember 1889 215 Mitglieder. Der im Jahre 1897 vom Club deutscher Rassegeflügelzüchter eingeführte geschlossene Bundesring zwang die Hildesheimer Züchter, wenn sie größere Schauen beschicken wollten, dem Club beizutreten. Den Beitritt zum Club deutscher Rassegeflügelzüchter erklärte der Verein erst am 13, August 1916. Der späte Beitritt mag daran liegen, dass die derzeitigen Vorsitzer des Vereins gute Verbindungen zu namhaften Züchtern hatten und unterhielten, dabei aber viel Lokalpatriotismus trieben. Dr. Lax trat am 9. November 1902 von seinem Posten als Erster Vorsitzer wegen Krankheit zurück. Er hatte seinen Posten 30 Jahre inne. Die Chronik berichtet noch über ihn: "Am 15. November des gleichen Jahres - am Tage der Geflügelschau - trugen ihn Hildesheimer Züchter zur letzten Ruhe." Den verwaisten Posten des Vorsitzers übernimmt der Taubstummen-Lehrer Carl Eugen Ernst Palandt, Hildesheim, Sedanstraße. Er führt den Verein im Sinne des verstorbenen Dr. Lax ! weiter. Auch er ist führend im Zentralverband und gab manche wichtige Anregung. Ernst Palandt starb am 7. August 1918, am Ende des 1. Weltkrieges, nachdem er 16 Jahre dem Verein vorgestanden hatte. Die Protokolle aus seiner Zeit sind restlos den Kriegswirren des 2. Weltkrieges zum Opfer gefallen. Die Folgen des 1. Weltkrieges erweckten fast' den Anschein, daß der Verein untergehen würde. Bis zur Wahl eines neuen Vorsitzers führte Taubstummenoberlehrer Meyer, Hildesheim, mit dem fast erblindeten Ehrenvorsitzer Fricke (früher Castellan beim Andreanum).und dem Eisenbahn- Assistent Langhammer die Geschäfte des Vereins weiter. Am 22. Oktober 1918 wählte dann der Verein den Bürodirektor WiIhelm Kobbe vom Kreis Hildesheim zum Ersten Vorsitzer. Er ist es, der mit Tatkraft und Energie die Zügel des Vereins in die Hand nimmt und ab 1920 die so gern beschickten und besuchten Hildesheimer Geflügelschauen leitet. - Wir sehen Kobbe mit dem Lichtbildapparat in den ländlichen Bezirken herumreisen und Aufklärungs- und Werbevorträge halten. Ab 1925 besitzt der Verein Ausstellungskataloge, die als Dokumente für die Leistungen der damaligen Zeit für die Geflügelzucht im Hildesheimer Raum äußerst wertvoll sind. Die Geflügelschau 1925 war gekoppelt mit der Bezirksschau des land- und forstwirtschaftlichen Hauptvereins Hildesheim. Sie fand statt auf dem Gelände der Ausstellungshalle Schützenwiese am Sonnabend, dem 27. Juni, und Sonntag, dem 28. Juni. Abteilung 6 war Nutzgeflügel und unter Gruppe I standen Hühner.

Ausstellungshalle an der Schützenwiese

Die nächsten Schauen fanden am 6. und 7. November 1926 und 5. und 6. November 1927 statt. Die Hildesheimer Geflügelschau 1928 heißt It. Preisausschreiben zum erste Male "Hildesia-Schau". Ausstellungsleitung ist der Gesamtvorstand. Er besteht aus den Herren:

Fricke, Ehrenvorsitzender
Kobbe, Hildesheim, 1. Vorsitzender
v. Tellinghusen, Hildesheim 2. Vorsitzender
Rundnagel,"Hildesheim, 1. Kassierer
Schubert, Hildesheim, 2. Kassierer
Dörscheln, Hildesheim, 1. Schriftführer
Günther, Himmelsthür, 2. Schriftführer
Vree, Hildesheim, Materialienverwalter
Gärtner, Hildesheim, Zuchtwart
Nipp, Hildesheim, Zuchtwart.
Preisrichter dieser Ausstellung waren: Böger, Hamburg; Denecke, Hannover; Dördelmann, Hannover; Evers, Glentorf; Hohmann, Zerbst; Marten, Lehrte; Nipp, Hildesheim; Ommert, Hannover; Walther, Oldenburg; Wedding, Eschershausen; Weithöhner, Essen-Dellwig.
Das Vorwort im Ausstellungskatalog könnte auch heute noch gelten. Aus diesem Grunde wird es auszugsweise wiedergegeben:
"Es ist aber bedauerliche Tatsache, daß der Geflügelhaltung, insbesondere auf dem Lande, nicht die Beachtung geschenkt wird, die sie verdient. Dies liegt wohl in der Hauptsache daran, daß die allermeisten Besitzer sich nicht für die Geflügelhaltung interessieren, weil sie glauben, daß die Geflügelzucht unrentabel ist oder direkt keine Einnahmen durch diesen Wirtschaftszweig haben. Die Einnahmen haben in der Regel die Frauen. Ich wende mich deshalb an diese mit der dringenden Bitte, der Geflügelhaltung mehr Interesse als bisher entgegenzubringen. Werden folgende Regeln beachtet, so wird der Erfolg nicht ausbleiben und die Rentabilität ist gesichert:
1. Stelle nur solche Tiere ein, die nachweislich von guten Leistungstieren abstammen.
2. Laß die Legehennen nicht zu alt werden.
3. Lege der Fütterung die größte Bedeutung bei. Füttere nicht zu viel und nicht zu wenig. Verfüttere nur solches Futter, das zur Erzeugung von Eiern notwendig ist. Laß Dich, wenn Du nicht Bescheid weist, von sachverständigen Personen beraten.
4. 4.Halte und pflege das Geflügel sachgemäß.
5. Schließe Dich einer Eierverkaufsgenossenschaft an, wenn Du die Erzeugnisse nicht gut verwerten kannst.
6. Verkaufe nur gute, frische und saubere Eier.
Deutsche Landfrauen, handelt nach vorstehenden Worten. Wenn Ihr das tut, habt Ihr einen hervorragenden Anteil an dem Wiederaufbau Deutschlands."
Soweit das Vorwort zur ersten Hildesia-Schau 1928.

Die Preise, die auf der ersten Hildesia-Schau vergeben wurden, waren sehr reichhaltig. Staats- und Kammerpreise, Ehrenurkunden und Ehrenmünzen eröffnen den Reigen. Ehrenpreise von landwirtschaftlichen Vereinen, Nachbarvereinen und Mitgliedern, Sachpreise, gestiftet von der Hildesheimer Geschäftswelt, und vom Hildesheimer Verein angekaufte, lohnten Züchterfleiß und Mühe. Unter den Ausstellern lesen wir bekannte Namen wie:
Lehrer Bettels, Hasedei; Heinrich Bleckwenn, Garbolzum; Carl Brönneke, Adlum; v. Campe, Stadtoldendorf; W. Diekmann, Uppen; Aug. Vette, Großlobke; Marg. Fricke, Domäne Ruthe; E. Graf, Marienburg; E. Günther, Himmelsthür; Lehrer Hagemann, Wesendorf; H. Junker, Sarstedt; Lassalle, Hildesheim-Moritzberg; Karl Leinemann, Schellerten; Lüer, Feldbergen; Heinrich Nipp, Hildesheim; Franz Oelkers, Hildesheim; Hermann Ohlms, Schellerten; Plagge, Geitelde Kr. Wolfenbüttel; Ranke, Neuhof; Elfriede Rieder, Poppenburg; Anna Rollwage, Sehlde a. d. I.; F. Sander, Himmelsthür; Suerburg, Peine; Schrader, Feldbergen; Karl Stein, Hildesheim; Friedrich Steinwehe, Rössing; August Tostmann, Bettrum; Wedig, Harsum; Wiechens, Hasede, und viele andere aus der näheren und weiteren Heimat:
Die Hildesia-Schau 1929 war am 16. und 17. November inder Städt. Ausstellungshalle. Der Ausstellungskatalog hat auf der Umschlagseite das Bild der Halle.
Anläßlich des 60jährigen Bestehens des Getlügelzuchtvereins Hildesheim hatte der Verein am 15. und 16. November 1930 eine Provinzial-Schau in der Städt. Ausstellungshalle an der Schützenwiese. Das Protektorat hatte der damalige Regierungspräsident Dr. Höhnen übernommen. Dem Ehrenausschuß gehörten namhafte Persönlichkeiten an. Das Losungswort der Ausstellung war: "Durch Rassezucht zur Leistung!" Wörtlich heißt es im Ausstellungsführer: "Abgesehen davon, daß es sich heute bei der außerordentlich schlechten Wirtschaftslage fast niemand erlauben kann, Geflügel nur der Schönheit wegen zu halten, behaupten wir, daß fast sämtliche Züchter die Leistung in den Vordergrund stellen. Abwegig ist auch, wenn gesagt wird, daß Tiere mit schöner Feder nicht gut legen. Wäre das der Fall, so könnte man ebenso behaupten, daß hübsche Frauen nicht gut arbeiten." Es heißt weiter: Auf die am Sonntag, dem 16. November 1930, 11 Uhr 30 vormittags, stattfindende Versammlung des Provinzialverbandes in Hildesheim im Gildenhaus (Kreuzstraße 11), in der mehrere Vorträge u. a. von Ministerialrat Dr. Gerriets aus dem Preuß. Landwirtschaftsministerium über Geflügelzucht gehalten werden, wird hingewiesen. Der Eintritt ist frei." Als Ringe waren zugelassen: 1. Der Ring (BR) des Bundes Deutscher Geflügelzüchter; 2. Der Bundesring der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft; 3. Der Ring des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter. Interessant ist noch der Zusatz, daß Mitglieder der den Bund Deutscher Geflügelzüchter bekämpfenden Verbände als Richter oder als Preisrichter nicht zugelassen würden.

Das Standgeld betrug damals: Hühner und Enten Einzelnummer 3,- RM; Stämme 1,2 Hühner und Enten 4,- RM; Stämme 1,4 Hühner 6,- RM; Großgeflügel Einzelnummer 4,- R;i Tauben 2,- RM. Auch wurde auf dieser Schau ein Wettbewerb in Eiernn veranstaltet. Ausgestellte Rassen waren:
Cochin Brahma, Plymouth-RockS, Langschan, Orpington, Mechelner, Sussex, Wyandotten, Rhodeländer, Lachshühner, Reichshühne.r,. Barnevelder in 3 verschiedenen Farbenschlagen, Welsumer, Dorklng, Dominikaner, Mlnorka, Andalusier, Italiener in 7 Farbenschlägen, Leghorn in 2 Farbenschlägen, Ramelsloher, Bergische Kräher, Brakel, Lakenfelder, Thür. Pausbacken, Ostfries. Silbermöven, Hamburger in 4 Farbenschlägen, Vorwerkshühner, Wolfersdorfer, Rheinländer, Westfälische Krüper, Steirer, Indische Kämpfer, Engl. Kämpfer alt- und neumodisch, Russ. Orloffs, La Fleche, Creve Coers, Houdan, Holl. Weißhauben und Perlhühner.
Es standen auf dieser Schau 2016 Tiere. Hervorgehoben wird ,die staatliche Zahl der Rhodeländer. Der Sonderverein der Rhodeländer hatte seine 2. Körschau nach Hildesheim verlegt. Züchter: aus allen Teilen Deutschlands' hatten zu dieser Schau geschickt. Die angesehensten Richter übten das Preisrichteramt aus.

Die Ausstellungskataloge druckte die Firma Gustav George, Hildesheim. Der Bombenkrieg am 22. März 1945 hat diese Firma restlos ausgelöscht. Alte eingesessene Geschäftsleute zeigten ihre Verbundenheit mit den Rassegeflügelzüchtern in Stadt und Land durch entsprechende Werbeinserate im Ausstellungskatalog.
Trotz schlechter Wirtschaftslage führt der Verein die Hildesia-Schau am 12. und 13. November 1932, verbunden mit der Hauptvereinsschau durch. Zum Hauptverein gehörten: Alfeld, Algermissen, Bockenem, Edemissen, Gadenstedt, Gronau, Hildesheim, Reine und Sehnde. Im Vorwort heißt es: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"
Die nächste Schau ist am 4. und 5. November 1933. Im Jahre 1936 wird die Hildesia-Schau als Werbeschau in Sarstedt veranstaltet. Sie ist am 21. und 22. November.
Am 21. Februar 1938 wurde dem Hildesheimer Geflügelzuchtverein sein so schaffensfreudiger 1. Vorsitzer Kobbe durch den plötzlichen Tod entrissen. Nachfolger wurde der Kaufmann Heinrich Denecke, Hildesheim. In Gemeinschaftsarbeit mit dem 2. Vorsitzer Karl Stein, Hildesheim, übernahm er die Ausstellungsleitung der am 12. und 13. November 1938 stattgefundenen Hildesia-Schau. Sie war verbunden mit der Landesverbandsschau und fand ebenfalls in der Städt. Ausstellungshalle an der Schützenwiese statt. Daselbst lagerten auch die Ausstellungskäfige des Vereins. Schirmherr der Ausstellung war der Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim Dr. Werner Krause. Zu den Ehrengästen zählte unter anderen auch der Oberlandwirtschaftsrat Hille, Direktor der Landwirtschaftsschule Hildesheim, und der damalige Kreisbauernführer Hartmann aus Machtsum.
Den Aufbau dieser Ausstellung leitete Louis Reimers, der bekannte Drahtfabrikant aus Hildesheim. 11 Sondervereine hatten auf dieser Ausstellung Ihre Sonderschau. Erste Preisrichter hatten es schwer, aus dem guten Tiermaterial "die Besten" herauszufinden, Preisrichter, die auch heute noch gern zur Hildesia-Schau zum Richten kommen. Zum ersten Male werden Gedächtnlsprelse vergeben. 1. Wilhelm-Kobbe-Gedächtnispreis, Zuchtpreis in Höhe von 25 RM auf Wirtschaftsrassen für beste Leistung eines Hildesheimer Vereinsmitgliedes, 2. Fricke-Gedächtnispreis, ein Ehrenpreis 10 RM, 3. Vree-Gedächtspreis, ein Ehrenpreis 10 RM. Neben dem Ministerium für Landwirtschaft hatte auch die Landesbauernschaft, die Stadt Hildesheim, der Kreis Hildesheim-Marienburg und die Kreissparkasse Hildesheim-Marienburg eine Anzahl Preise gestiftet. Auch die Landesfachgruppe hatte zusätzlich zur Ver- einsstiftung noch einen .Kobbe-Erinnerungspreis., Größer Preis auf beste Gesamtleistung eigener Zucht in Wirtschaftsrassen, in Höhe von 30 RM und 20 Ehrenpreise je 10 RM gestiftet. Damit wird die außerordentliche Leistung des verstorbenen Vorsitzers Kobbe für die heimatliche Geflügelzucht anerkannt.
Weiter unterstützten diese Schau durch Stiftung von Ehrenpreisen:
Kreisfachgruppe Hildesheim 2 E zu 10,- RM
Kreisfachgruppe Hannover 1 E zu 10,- RM
Kreisfachgruppe Südhannover 1 E zu 10,- RM
Kreisfachgruppe Stade II 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Braunschweig 2 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Achim 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Alfeld 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Celle 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Einbeck 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Gadenstedt 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Göttingen 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Helmstedt 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Münder am Deister 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Northeim 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Peine 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Schöningen 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Syke 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Uelzen 1 E zu 10,- RM
Geflügelzuchtverein Hannover 2 E zu 10,- RM
Auch Preise von Freunden und Gönnern des Vereins fehlten nicht. Vergessen dürfen wir auch nicht die Großen Preise des Hildesheimer Vereins auf Rhodeländer und Italiener mit je 20 RM.
Nachfolgend das Geleitwort des Landesfachgruppen - Vorsitzers Hans Wiegel auszugsweise:
"Zu unserer Landesfachgruppenschau im schönen Hildesheim sind wir Rassegeflügelzüchter mit unseren Tieren angetreten, um zu zeigen, was der einzelne Züchter im letzten Jahre in seiner Züchterwerkstatt. geschaffen hat, wie sich jeder bemüht hat, das uns allen gestellte Aufgabengebiet der Leistungssteigerung durch Züchten kräftiger und gesunder Tiere ernstlich voranzutreiben. Leistungsfähige und zugleich schöne Tiere wollen wir züchten und dadurch fleißiger Arbeiter sein für die Versorgung unserer deutschen Heimat mit frischen Eiern und Geflügelfleisch. Allen Züchtern gilt mein herzlicher Gruß!
Möge die Landesfachgruppenschau Niedersachsen 1938 jedem Aussteller Erfolg bringen und dadurch volle Kraft und frischen Auftrieb geben zu neuer, zielbewußter Züchterarbeit, die nur heißen darf:
Voran die Leistung!"
Der Vorsitzer Denecke findet in diesem Ausstellungskatalog vortreffliche Worte (Auszüge):
"Eine begriffliche Scheidung zwischen Ausstellungs- und landwirtschaftlicher Geflügelzucht ist nur sehr bedingt möglich. In den Reihen der ersteren stehen ungezählte Bauern und Landwirte. Ursprung und Voraussetzung der Leistungszucht war und ist die Rassezucht. Notwendiger Rechenschaftsbericht der letzteren aber ist das Ausstellungswesen.
Die Rassegeflügelschau der Landesfachgruppe Niedersachsen will nicht nur eine große Zahl schöner Tiere aneinander reihen. Sie will vielmehr auch in zusätzlichen Abteilungen dem Gedanken der wirtschaftlichen Leistungssteigerung dienen. Möge eine möglichst große Zahl von Züchtern und Hühnerhaltern aus Stadt und Land fruchtbare Anregung aus der Schau nach Hause tragen! Dann ist die Aufgabe unserer Ausstellung erfüllt, beizusteuern zur Verwirklichung des Ideals der Eigenversorgung des ,großen Hofes', der Deutschland heißt."
1939, ein schicksalsschweres Jahr! Der unselige 2. Weltkrieg, der dem friedlichen Züchter das nimmt, was er in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut hat. Die jüngeren Züchter werden zum Wehrdienst einberufen, und so auch der Erste Vorsitzer Denecke. Die Vereinsgeschäfte übernimmt der 2. Vorsitzer, Stadtinspektor Karl Stein, Hildesheim. Versammlungen werden kaum noch abgehalten. An Ausstellungen ist gar nicht mehr zu denken. Die Luftwaffe beschlagnahmt die Städt. Ausstellungshalle. Die dem Verein gehörenden Käfige, welche in der Halle lagern, müssen in kurzer Frist umgelagert werden. Es ist weder ein Fahrzeug, noch sind Hilfskräfte zu beschaffen. Die alten Herren des Vereins unter Leitung von Karl Stein -es waren dies die Zuchtfreunde Kanike und Sehle - bringen es fertig, die Käfige, das stille Vermögen des Vereins, in einen Schuppen in der Bergmühlenstraße umzulagern. Durch dieses entgehen die Käfige bei der Zerstörung der Stadt der Vernichtung durch den Bombenkrieg. Auch die Ausstellungshalle ist durch Bomben restlos zerstört. Hildesheim besitzt keine Räumlichkeit mehr, wo eine normale Geflügelschau abgehalten werden könnte. Mehr als nach dem ersten Weltkrieg schien es, daß der Verein untergehen würde. Zuchtfreund Stein bringt es fertig, trotz Kriegswirren - es standen fremde Soldaten in unserer Heimat - am 29.1.1945 eine Versammlung einzuberufen.
Politische Gründe veranlassen den Zfrd. Stein, die Geschäfte des Vereins nicht weiterzuführen, und so wird in dieser Versammlung der Hauptlehrer Karl Eckstein, Asel, zum 1. Vorsitzer des Vereins gewählt. Die allgemeine Nahrungsmittelnot gibt dem Verein durch Mitglieder, die sich Vorteile an Tiermaterial und Futter durch den Verein erhoffen, einen Auftrieb. Es dauert aber nicht lange, so scheidet sich Spreu vom Weizen und die wirkliche Aufbauarbeit beginnt. Zuchtfreund Stein, der als Vorsitzer der Kreisgruppe am Aufbau des Hildesheimer Vereins regen Anteil nimmt, überreicht dem Hildesheimer Verein als dem Pionier in der Kreisgruppe zum 80jährigen Stiftungsfest am 8. Januar 1949 eine Chronik. Erstmalig wird im Hildesheimer Verein das festgehalten, was für nachfolgende Generationen von Wichtigkeit ist. Die Widmung lautet:
"Acht Jahrzehnte Geflügelzucht, das bedeutet die Beschäftigung von zwei ganzen Generationen mit der Förderung der Zucht und der Lenkung der Natur zu Schönheit und Leistung nach menschlichem Willen. Achtzig lange Jahre hindurch erweckte die Vereinsarbeit die liebe zur Natur, gab den Züchtern Frieden und Erholung nach schwerer Tagesarbeit und schloss die Zuchtfreunde zusammen zur wahren Freundschaft.
Groß und stark überdauerte diese Kameradschaft den Totentanz dreier Kriege, die alles vernichteten - nur die Rassegeflügelzucht nicht.
Es Ist erstaunlich und erhebend, wie dieser Phönix aus der Asche steigt: Zahl der Schauen, Beschickungsziffern und Qualität des Materials wie im Frieden."
Das kann uns Hoffnung geben zur Wiederauffrischung unseres zerschmetterten Vaterlandes.
Möge der Verein und seine friedliche Züchterarbeit noch viele Generationen überdauern und der Welt ein Vorbild sein in seiner Arbeit für den Frieden und die Freundschaft unter den Menschen.
Losungswort: "In Einigkeit stark!"
Soweit die Widmung. Das Geleit hat folgenden Wortlaut:
"In mühevoller Arbeit hat der damalige Vorsitzer des Vereins, Herr Eckstein aus Asel versucht, Notizen aus dem Vereinsleben zu sammeln. Es standen ihm dabei außer dem Städt. Archiv nur die wenigen Aufzeichnungen privater Natur zur Verfügung. Alle vereinsseitigen Unterlagen waren durch die Kriegswirren verlorengegangen.
Die Aufzeichnungen reichen von der Gründung des Vereins bis zum 80jährigen Gründungsjubiläum. In dieser Jubiläumsversammlung wurde dem Verein von der Kreisgruppe Hildesheim durch dessen- Vorsltzer eIn Buch für die Chronik überreicht. ,Vereinsseitig wurde Beschluß gefaßt, in jedem Jahr zur Hauptversammlung dieses Buch mit den Aufzeichnungen aus dem laufenden Jahr vorzulegen.
Hildesheim, den 1. April 1950 gez. K. Stein."

Die erste Hildesia-Schau nach dem 2. Weltkrieg war die Jubiläumsschau anläßlich des 80jährigen Bestehens des Vereins. Sie fand in Bavenstedt in Bormanns Festsälen statt. Schirmherr war der Oberstadtdirektor der Stadt Hildesheim Dr. Sattler. Auf dieser Schau werden wieder der "Kobbe-Erinnerungspreis", der "Fricke-Erinnerungspreis", und der " Vree-Erinnerungspreis" vergeben.
In seinem Vorwort ruft der Oberstadtdirektor als Schirmherr dem Verein "ein frohes Glückauf" zu. Der Präsident des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter, Ziebertz, wünscht dem Verein das "Allerbeste". Auch der Landesverband erkennt durch seinen Vorsitzer Hans Wieget die Tatkraft und den Züchterfleiß der Hildesheimer Geflügelzüchter an. Die meistausgestellten Rassen sind Wirtschaftsrassen, darunter halten die Rhodeländer die Spitze in Anzahl und Qualität. Sehr gut schneidet die Züchterin Käthe Bartels, Hildesheim, ab.

Im gleichen Jahre findet am 3. und 4. Dezember 1949 eine weitere Hildesia- Schau statt. Diesmal ist der Saal des Trillkewerkes im Hildesheimer Wald Ausstellungslokal. Schlechtes Wetter und die Entfernung der Ausstellung von der Stadt bescheren dem Verein keinen guten Ausstellungsbesuch.
Im Ausstellungskatalog finden wir auch viele Werbeinserate Hildesheimer Geschäftsleute. Unter anderen ein Inserat, welches besonders hervortritt: "25 Jahre Leistungszucht schwerer, weißer Leghorn", es heißt in diesem Inserat: "Wollen Sie sich vor Schaden bewahren, kaufen Sie nur beim ehrlichen Züchter und nicht beim wilden Händler." Es ist unterzeichnet mit A. Kurz, Hildesheim, Goslarsche Landstr.20. Dieser Wortlaut gilt auch heute noch, wie vor 10 Jahren.
Die Ausstellungskataloge noch 1945 wurden- bei der Firma Gebr. Fikuart, Hildesheim, hergestellt.
In der Frühjahrshauptversammlung am 1.4.1950 wurde der Zuchtfreund Kar! Stein wieder zum Ersten Vorsitzer gewählt. Zfrd. Stein hatte bereits Vorstandsposten im BDRG-Hauptvorstand, Landesverband Hannover, Kreisverband Hildesheim, Preisrichtervereinigung und im Verband der Sondervereine. Auch bei den Wirtschaftsgeflügelzüchtern wurden der Rat und die Anregungen des Zfrd. Stein geschätzt. Im Jahre 1949 wurde unserem Karl Stein bereits die goldene Bundesnadel verliehen. Als Sonderrichter für Rhodeländer hatte er einen guten Ruf. Viele hohe Auszeichnungen auch auf großen Schauen geben Kunde davon, daß die Züchterwerkstatt bestens in Ordnung war. So konnte der Hildesheimer Verein durch seine Verbindungen profitieren. Was die ersten Vorsitzer versäumt hatten, eine Verbindung zum Bund zu schaffen, holte er nach.
Trotzdem im Raum Hildesheim keine Ausstellungsräume vorhanden waren, veranstaltete der Verein unter seiner Leitung am 4. und 5. November 1950 in der Sporthalle der Gallwitzkaserne die Hildesia-Schau, verbunden mit der Kreisschau. Als Preisrichter fungierten alte Bekannte: Paul Barthold, Pye Exner, Nordstemmen; Münter, Hannover; Suerburg, Peine; Penseler, Brunkensen; Heinemeier, Hildesheim; Wiegel, Hannover; alles Preisrichter von Format und Ansehen.
Damit erhielt die Hildesia-.Schau die gute alte Note. Viele alte Aussteller fanden sich wieder auf der Hildesia-Schau ein. Zum erstenmal nach dem Kriege tauchen seltene Rassen auf. Es sind die Russ. Orloffs und Kraienköppe silberhalsig.
Am 3. und 4. November 1951 konnte die Hildesia-Schau in Verbindung mit der Landesverbandsschau in der Sporthalle der Gallwitzkaserne abgeholten werden. Zum zweitenmal hat der Ausstellungskatalog ein neues Aussehen erhalten. Der Zuchtfreund Wannagatis, Hildesheim, hat für den Ausstellungskatalog einen neuen Entwurf angefertigt. Das Kleinod von Hildesheim, das durch Bomben zerstörte Knochenhaueramtshaus,mit dem schönen Italienerhahn grüßt den Aussteller und Ausstellungsbesucher. Ein Meisterwerk, auf das alle Hildesheimer Züchter stolz sind. Auch bei dieser Ausstellung ist ein Fortschritt festzustellen. Die Volieren werden mit besonderer Liebe hergerichtet und der Blumenschmuck gibt der Ausstellung ein festliches Gewand. Die Tombola erfreut sich bei alt und jung großer Beliebtheit. Hierfür zeichnet Heinrich Eggers, Hildesheim, Wackenstedter Straße, der sich ganz für das Gelingen einsetzt, verantwortlich.
Das Vereinslokal ist der "Klee". Die Versammlungen werden regelmäßig monatlich abgehalten. Im Sommer werden Busfahrten in die nähere und weitere Heimat unternommen. Geflügelanlagen werden besichtigt.
Das Vereinsmögen, die Käfige, wird laufend durch Neuanschaffungen ergänzt. Zfrd. Eggers, der als Gerätewart eingesetzt ist, gibt im Jahre 1952 aus Gesundheitsgründen den Posten an Zfrd. Erich Jungk, Hildesheim, ab. Mit viel Umsicht und Interesse verwaltet Zfrd. Jungk sein Amt und sorgt dafür, daß Verbesserungen für den Aufbau geschaffen werden. Im Jahre 1952 soll die Hildesia-Schau am 8. und 9. November stattfinden. Die Sporthalle in der Gallwitzkaserne steht nicht zur Verfügung. In letzter Not kann die Werkhalle von Auto-Schirmer in der Brandisstraße gemietet werden. Die Ausstellung hat erstmalig eine Lehrschau, zusammengestellt von den Zuchtfreunden Wannagatis und Wunnenberg, die besonders von der Jugend stark belagert wird. Zum erstenmal tauchen auf der Hildesia-Schau die Sumatra und die Be!gischen Kämpfer auf. Bei der Schau in der Werkhalle Brandlsstraße darf der gedeckte Tisch der Landfrauenschule Hildesheim, Peiner Landstraße, nicht unerwähnt bleiben. Die Schülerinnen hatten Geflügelgerichte hergestellt und auf einer langen Tafel festlich serviert. Am Schluß der Ausstellung kamen diese Gerichte in die Tombolaverlosung. Die Ehrengäste
waren sehr verwundert, daß bei der Eröffnung der Schau von den Schülerinnen der Landfrauenschule kräftige Geflügelimbisse gereicht wurden.
Das Versammlungslokal wird zur "Alten Münze" verlegt, da dieses Lokal zentraler gelegen ist und das Bier preiswerter ist.
Der 7. und 8. November 1953 verlangte von den Hildesia-Schau-Besuchern eine kleine Anstrengung. Die Schau fand auf der Wilhelmshöhe statt. Für Gehbehinderte hatten die Stadtwerke einen Busverkehr zur Wilhelmshöhe eingerichtet. Der Fahrpreis betrug 0,15 DM. Trotz Raumknappheit standen hier 324 Ausstellungsnummern: 116 Hühner, 18 Enten, 18 Zuchtstämme, 45 Zwerge, 71 Tauben, 2 Puten, 4 Gänse und 2 Volieren mit Mohrenköpfen und Chalotten, gestellt von B. und G. Braukmann. .
Anläßlich des Volksfestes beteiligt sich der Geflügelzuchtverein mit einem Festwagen am Umzug. Er wird hergerichtet von Käthe Bartels und erhält auch einen Preis.
Die Hildesia-Schau 1954 findet am 6. und 7. November statt. Ausgestellt sind: 6 Volieren, 189 Hühner, 13 Zuchtstämme, 44 Zwerghühner, 107 Tauben, außerdem Puten, Gänse und Enten.
Im Jahr 1955 gehören dem Verein an:
3 Mitglieder seit 40 Jahren
10 Mitglieder seit 30 Jahren
14 Mitglieder seit 25 Jahren
9 Mitglieder seit 20 Jahren
21 Mitglieder seit 15 Jahren
15 Mitglieder seit 10 Jahren
und 90 Mitglieder unter 10 Jahren
Das Jahr 1955 bringt dem Verein einen neuen Vorsitzer. Zuchtfreund Stein tritt im März dieses Jahres in das 70. Lebensjahr ein und wünscht, daß der Verein einen jüngeren Vorsitzer wählt. Zuchtfreund Stein ist noch sehr rüstig und behält seine Posten im Landesverband, Bundesvorstand, Preisrichtervereinigung und Kreisverband bei. Zfrd. Stein schlägt der Versammlung vor, die Zuchtfreunde Bernhard Braukmann und Heinrich Neumann in die engere Wahl zu ziehen. Einstimmig wählt die. Versammlung Heinrich Neumann zum 1. und B. Braukmann zum 2. Vorsitzer. Zuchtfreund Karl Stein wird einstimmig zum Ehrenvorsitzer gewählt. Die nachfolgenden Jahre beweisen, daß der Ehrenvorsitzer noch recht rührig ist. Sein Ausspruch ist, "Ich will 100 Jahre alt werden, nein 101 Jahre, denn der Sommer war so schlecht. Sollte ich das Alter nicht erreichen, so ist es nicht mein Wille gewesen. Auf alle Fälle will ich das 100. Vereinsjubiläum miterleben." Es ist der richtige Standpunkt. Es gibt wohl kaum eine Veranstaltung, wo der "Karl" nicht dabei ist. Er muß eben wissen, was der letzte für einen Anzug angehabt hat.
Zum 70. Geburtstag im März dieses Jahres hat unser Karl eine große Überraschung. Der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter ernennt ihn zum Ehrenmeister. Damit haben seine Verdienste für die Rassegeflügelzucht die verdiente Anerkennung bekommen. Der Hildesheimer Verein hat damit den ersten Ehrenmeister.
Der Zuchtfreund Edmund Günther aus Himmelsthür wird in der gleichen Versammlung Ehrenmitglied. Auch er ist bis zum heutigen Tage aktiv tätig und versäumt keine Veranstaltung.
In der Aprilversammlung wird Frau Nipp, Hildesheim, Gattin des verstorbenen Preisrichters Nipp (Geflügelhof "Dreibirken") Ehrenmitglied.
Es erreicht den Verein die Kundel daß das. passive Ehrenmitglied Reimers verstorben ist. Unserem ältesten Mitglied, Frau Diekmann, Uppen, wurde die goldene Ehrennadel des Bundes überreicht.
Die Hildesia-Schau 1955 findet am 5. und 6. November in der .Sporthalfe der Gallwitzkaserne statt. Schirmherr der Ausstellung ist der Oberstadtdirektor der Stadt Hildesheim, Kampf. Dem Ehrenausschuß gehören Prominente der Behörden, Landwirtschaftskammer und Schulen an. Austeilungsleiter ist wie in den verflossenen Jahren Ehrenmeister Karl Stein. 110 Aussteller ringen um die "höchsten Auszeichnung, die Hildesia-Bänder und den Kobbe-Wanderpreis. Mit 580 Tieren ist diese Ausstellung beschickt.
Im Ausstellungskatalog ist erstmalig eine Ehrentafel. Es wurden geehrt Karl Stein als Ehrenmeister der Deutschen Geflügelzucht, Frau Diekmann, Uppen (goldene Nadel), Frau Berta Nipp (Ehrenmitglied), Alex Reupke, Oedelum (silberne Nadel). Der Verein hat 1955
6 Ehrenmitglieder, 6 Träger der goldenen Nadel und 23 Träger der silbernen Nadel.
Die letzten Hildesia-Schauen haben dank der ehrenamtlichen Mitarbeit der Mitglieder einen Überschuß, der zum weiteren Ausbau und zur Ausgestaltung der Hildesia~Schau verwendet wird. Das Vereinslokal wird nach Albrecht, ",Zum Hagentorl", verlegt.

Das Jahr 1956 beginnt mit der Generalversammlung und Vorstandsneuwahl. Der Vorstand wird in der alten Form bestätigt. Der staatl. gepr. Landwirt Franz Bank, Harsum, wird als Obmann für Wirtschaftsgeflügelzucht in den Erweiterten Vorstand gewählt. In dieser Versammlung spricht der Leiter des Tiergesundheitsdienstes Dr. Hilbricht, Hannover, über Geflügelkrankheiten und erläutert sie anhand von Lichtbildern. Der Kreis Hildesheim-Marienburg gewährt dem Verein eine Beihilfe von 100 DM. Dieser Betrag wird zur Zuchtenaufbesserung verausgabt.

Die Märzversammlung bringt einen Vortrag von Dr. Gleichauf, Prof. an der Bundesforschungsanstalt Celle. In anschaulicher Weise spricht Dr. Gleichauf über Vererbung beim Geflügel. Es wird damit klar, daß die Mitglieder des Vereins ihre Zuchten auf wissenschaftlicher Grundlage betreiben wollen. Die Zuchterfolge bestätigen dieses.
In der Aprilversammlung scheidet der .1. Schriftführer, Söhle, Hildesheim, aus dem Vorstand aus und an seine Stelle tritt der Zuchtfreund Ernst Wannagatis, Hildesheim. Wenn den Mitgliedern jeden Monat die schönen gedruckten und teils mit Humor gewürzten Einladungen auf den Tisch flattern, so ist dieses sein Werk. Die Einladungen werden ehrenamtlich hergestellt.
Der November bringt die Hildesia-Schau am 3. und 4. November in der Sporthalle der Gallwitzkaserne. Die Ausstellungsleitung hat zum erstenmal der Vorsitzer Neumann, unterstützt vom Ehrenmeister Karl Stein. Es ist das letztemal, daß dem Verein die Sporthalle in der Gallwitzkaserne zur Verfügung steht, und was wird dann? Die Mitarbeiter der Schau sind bestens eingearbeitet. Es klappt wie am Schnürchen. Die Eröffnung der Schau findet in der Aula der Landwirtschaftsschule Steuerwalder Straße statt. Den Aufbau macht der Zfrd. Jungk, den Katalog Zfrd. Wannagatjs, die Kasse Zfrd. Holle, Annahme und Ausgabe der Tiere Zfrd. B. Braukmann und die Tombola Zfrd. Schwarze. Wieder wurde der Ausstellungskatalog verbessert, die Volieren noch schöner als bisher ausgeschmückt.

Das Jahr 1957 kann mit der Ehrung verdienter Züchter eingeleitet werden. Frau Elfriede Rieder, Domäne Poppenburg; Frau Ww. Klinge, Ase!, und Jos. Mispagel, Adlum, erhalten die silberne Ehrennadel. Ehrenmitglieder wurden die Zuchtfreunde Kreinsen, Sehle, Kurz, alle Hildesheim; Bremer, Davenstedt, und Mispagel, Adlum.
Die Märzversammlung hört zum erstenmal das Geflügelecho - ein Querschnitt durch die Fachpresse - von Zuchtfreund Siegfried Helbig, Hildesheim. Besichtigungen der Zuchtanlagen von Zfrd. Falke und Neumann bringen die Züchter kameradschaftlich zusammen. Bei dieser Gelegenheit wird auch eine kleine Wanderung in die nächste Umgebung gemacht. Die Stadt Hildesheim baut eine Sporthalle. Das Rätselraten: Bekammen wir die Halle zur Schau? Wird die Halle fertig? Nein, die Bauarbeiten an der Sporthalle werden nicht termingemäß beendet. Die Vorarbeiten für die Hildesia-Schau 1957 laufen bereits seit Dezember 1956. Was für einen Aus- stellungsraum können wir sonst bekommen? Alle geeigneten Räume sind von alliierten' Truppen belegt. In letzter Stunde läßt sich durch Verhandlung mit dem britischen Verbindungsoffizier Major Moss erreichen, daß die Reithalle der Czernykaserne zur Ausstellung zur Verfügung gestellt wird. Die Ausstellung nimmt einen normalen Verlauf. Die Eröffnungsfeierlichkeiten finden im Vereinslokal statt. Das einmalige ist, daß der britische Verbindungsoffizier in Schottenuniform an der Feier und dem gereichten Vesper teilnimmt. 181 Aussteller zeigten 1318 Tiere.

1958. Zuchtfreund Wedig, Harsum, bringt von der Nationalen in Köln das ,Siegerband auf Koburger Lerchen mit. - Das Ehrenmitglied Sehle scheidet durch Tot aus. - Ein interessanter Vortrag "Sind Hühner im Zeitalter der Sputniks noch daseinsberechtigt?" bringt Verbindung zum Zeitalter des Materialismus. Im Oktober scheidet von uns durch Tod der bekannte Schautaubenzüchter Franz Oelkers. Ihm zum Gedenken wird der Franz-Oelkers-Gedächtnispreis für Schautauben gestiftet. Ein harter Kampf setzt um die Benutzung der Sporthalle zur Geflügelschau ein. Bis zum Rat der Stadt führt der Weg. Die Nachricht,"dem Antrag des Geflügelzuchtvereins auf Überlassung der Sporthalle zur Durchführung der Hildesia-Schau im November dieses Jahres wurde vom Verwaltungsausschuß der Stadt mit Rücksicht auf die bereits geführten Vorverhandlungen ausnahmsweise für diese Jahr entsprochen", löste bei allen Geflügelfreunden ein freudiges Echo aus. Alle waren bei der Schau dabei und man kann sagen, daß diese Schau nach dem Kriege die schönste in der Ausgestaltung und Mannigfaltigkeit an Tiermaterial war. Wie versprochen, wurde die Halle am Tage nach der Schau unbeschädigt und sauber abgeliefert. Beim Aufbau dieser Schau muß besonders den Züchterfrauen Anerkennung gezollt werden. Sie haben sich uneigennützig eingesetzt und für Sauberkeit und Ordnung gesorgt. Auch die Fütterung der Tiere haben sie bestens durchgeführt. Die Voliere von Zuchtfreund Erich Jungk, die am Eingang zur Schau aufgebaut war, konnte man als Glanzstück der Schau werten. Die Voliere symbolisierte den alten Hildesheimer Marktplatz. Als Rückwand war das alte Rathaus gewählt (farbig ausgemalt). In der Voliere selbst war, aus Ton modelliert, der Rathausbrunnen aufgestellt. Eine kleine Motorpumpe, sorgte für den Wasserumtrieb im Brunnen. Die darin ausgestellten deutschen Mövchen hatten ein "V" errungen.
Auch der Zuchtfreund Wannagatis hatte Paduaner. Zwerge in einem mit viel Geschmack selbstgebastelten Bambuskäfig ausgestellt.
Bei den weiteren 10 Volieren war es wirklich schwer, herauszufinden, welches die schönsten waren. Die Ausschmückung und auch das ausgestellte Tiermaterial konnten jeder Kritik standhalten. Das Urteil der Ehrengäste und Ausstellungsbesucher lautete: "Die Schau ist einmalig." Das Urteil der Aussteller: Zur Hildesia-Schau 1959, der Jubiläums-Ausstellung zum 90jährigen, kommen wir bestimmt wieder." Erstmalig hatte auch der Sonderverein der Seltenen Hühnerrassen, Bezirk Nord, seine Sonderschau auf die Hildesia-Schau gelegt. 174 Aussteller der Hildesia-Schau zeigten über 1100 Tiere.
Damit ist der Aufbau des Hildesheimer Geflügelzuchtvereins und die von ihm veranstalteten Ausstellungen kurz dargelegt. Diese Aufzeichnungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, da viele Unterlagen, gerade noch im 2. Weltkrieg verlorengegangen sind. Soweit altes Material von Protokollbüchern und Ausstellungskatalogen sichergestellt werden konnte, ist es geschehen. An dieser Stelle möchte ich dem Zuchtfreund Karl Stein, Frau Kobbe, Druckereibesitzer Lax und Orgelbaumeister Palandt für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial und Ausstellungskataloge herzlichst danken. 90 Jahre Geflügelzucht ist in unserer heutigen schnelllebigen Epoche eine lange Zeit. Unsere Gründer lebten noch einen ruhigeren Tag und hatten mehr Muße sich mit Züchtungsproblemen zu befassen. Sie hatten nicht nur mehr Zeit, sondern konnten und wollten auch mehr Geld für ihr Ideal opfern, damit, ist nicht gesagt, daß wir heute keine Verpflichtungen gegenüber der Rassegeflügelzucht mehr haben. In der Zeit der Hybridenzüchtungen kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß die alten guten deutschen Züchtungen erhalten und gepflegt werden müssen. Das ist Aufgabe des Geflügelzuchtvereins und seiner Mitglieder. Nachfolgende Geschlechter werden Rechenschaft von uns fordern. Darum kann den Tierliebhabern nicht genug gesagt werden: " Werdet Mitglied im Geflügelzuchtverein, haltet wenigstens einen kleinen Stamm unserer guten alten Züchtungen und tragt dazu bei, daß Zuchtmaterial zur Blutauffrischung erhalten bleibt. "Ehrlichkeit und Treue sollten nicht nur als Worte, sondern in der Tat jeden Züchter beseelen, am großen Ziel der Ausweitung und Förderung der Deutschen Rassegeflügelzucht beizutragen. Dann hat der Ausspruch unseres Begründers der Deutschen Rassegeflügelzucht, Robert Oettel, "Züchtet rein und züchtet echt" erst seine volle Bedeutung erlangt.
So wollen wir mit vereinten Kräften in züchterischer Gemeinschaft auf das 100jährige Bestehen des Hildesheimer Geflügelzuchtvereins zusteuern, in der stillen Hoffnung, daß in den nächsten Jahren den bisherigen Erfolgen weitere Leistungen hinzugefügt werden zum Wohle des Vereins und zum Wohle der Rassegeflügelzucht.
Neumann

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